Fahrschule Mannhart
Pius Mannhart
Freihofstrasse 23
8880 Walenstadt
Tel.  081 / 735 18 22
Mob 079 / 438 85 50

info@fahrschule-mannhart.ch

Fahrberatung

Diesen Frühling habe ich das Fahrberaterdiplom erhalten.

Sinn der Fahrberatung

Aus der Praxis – für die Praxis von Karl Seiler

Beurteilung der Fahrtauglichkeit älterer und kranker Personen

Grundversorger werden regelmässig mit Fragen der Fahrtauglichkeit älterer und kranker Personen konfrontiert. Die einen kommen in die Sprechstunde, weil sie ab 70 Jahren vom Strassenverkehrsamt die Aufforderung zum ärztlichen Kontrolluntersuch erhalten haben, bei anderen stellt sich die Frage der Fahrtauglichkeit, weil eine gesundheitliche Störung vorliegt.


Aufgrund der ärztlichen Untersuchung gibt es vier mögliche Konsequenzen [1]:
1. Die Fahrtauglichkeit (Fahreignung) ist ohne weitere Auflagen gegeben.
2. Die Fahrtauglichkeit ist nur unter bestimmten Voraussetzungen gegeben (Fahrtauglichkeit mit Auflagen bzw. Bedingungen). Nützlich ist in diesen Fällen oft eine kurze Fahrt mit einem Fahrberater. Dabei können allfällige Unzulänglichkeiten, die sich beim Fahren zeigen, besprochen und Verbesserungen durchgeführt werden.
3. Die Fahrtauglichkeit ist fraglich. Eine zusätzliche Beurteilung durch einen ärztlichen Spezialuntersuch,
seltener eine amtliche Kontrollfahrt allenfalls mit verkehrsmedizinischer Abklärung sind angezeigt.
4. Die Fahrtauglichkeit ist nicht mehr gegeben (Fahruntauglichkeit).

Mängel des heutigen Systems
Beim heutigen System sind Fehlleistungen möglich. So ist eine sorgfältige Beurteilung kaum gegeben, wenn der ärztliche Kontrolluntersuch von irgendeinem Arzt im Kanton gemacht wird, welcher den Lenker und seine Krankengeschichte nicht kennt. Werden Leute mit speziellen Krankheiten, zum Beispiel einer Augenkrankheit, nur vom Spezialarzt untersucht, besteht Gefahr, dass der Fahrtauglichkeitsentscheid in erster Linie aufgrund eines Spezialbefundes und weniger unter Berücksichtigung des ganzheitlichen Gesundheitszustandes gefällt wird. Würde bei einem Entscheid von Fahrtauglichkeit, die nur unter bestimmten Voraussetzungen gegeben ist, stets eine amtliche Kontrollfahrt empfohlen, geriete die ältere Person in grosse Aufregung, und der Erhalt des Führerausweises hinge dann fast nur vom momentanen Ergebnis anlässlich der Probefahrt ab.
Das Altern ist ein dynamischer Prozess, Veränderungen sind jederzeit möglich. Deshalb ist die Momentaufnahme für die Beurteilung der Fahrtauglichkeit nicht optimal. Besser ist eine interdisziplinäre Begleitung des älter werdenden Lenkers.

Neues Konzept
Die praktische Erfahrung hat gezeigt, dass ein über 70jähriger Autolenker mit eingeschränkter Fahrtüchtigkeit
mit Vorteil durch ein Team ganzheitlich beurteilt und beraten wird. Zum Team gehören der Lenker, der Fahrberater und der Arzt. Meist ist der Hausarzt, der am besten entscheiden kann, ob jemand noch fahrtauglich, d.h. zum sicheren Führen eines Fahrzeuges geeignet ist. Die amtliche Bestätigung der Fahrtauglichkeit durch den Untersuch in der Arztpraxis bedeutet nicht, dass der ältere Autofahrer zu einem späteren Zeitpunkt genügend fit ist, dass er die Bedingungen zur Fahrtauglichkeit erfüllt. Menschen über 70 haben oft eine chronische Krankheit. Ihr Gesundheitszustand kann sich jederzeit verschlechtern und vorübergehend Fahrunfähigkeit verursachen. Dann ist die Fahrtauglichkeit nur unter bestimmten Voraussetzungen gegeben, so dass Beratungen durch den Hausarzt und allenfalls durch einen Fahrberater sinnvoll sind. Der Fahrberater ist ein geeigneter Fahrlehrer, der informiert ist, wie Krankheiten im Alter das Autofahren beeinträchtigen können. Er berät bei Fahrproblemen und sucht mit dem Fahrer zusammen nach Verbesserungen. Im Anschluss an eine gemeinsame Autofahrt beantworten Autofahrer und Fahrberater zusammen einen einfachen Fahrberatungsfragebogen, welcher dann dem Arzt als Hilfe für die Beurteilung der Fahrtauglichkeit übergeben wird.

Fahrberatung
Autofahrer/in:
Fahrberater/in:
Arzt/Ärztin:
Auf Anweisung der Behörde müssen Autofahrer ab 70 ihre Fahrtauglichkeit von einem Arzt bestätigen
lassen. Stellt der Arzt gesundheitliche Mängel fest, welche die Fahrtüchtigkeit einschränken, kann zur
Verbesserung eine Fahrberatung hilfreich sein. Ein dafür speziell ausgebildeter Fahrlehrer gibt anlässlich
einer gemeinsamen Probefahrt Ratschläge zur Überbrückung gesundheitlicher Beschwerden und bestätigt
die Fahrpraxis. Fahrberatungen können auch nach Krankheit, Unfall oder einer Operation nützlich sein.
Die Fahrberatung ist freiwillig. Die Kosten betragen ca. Fr. 120.–. Der Fragebogen wird gemeinsam von
Autofahrer und Fahrberater ausgefüllt. Die Rückmeldung an den Hausarzt ist sehr wichtig und hilft, die
Fahrtauglichkeit zu beurteilen.

Fragen Antworten und Verbesserungsvorschläge
1. Allgemeine Altersbeschwerden (körperlich, geistig); Reaktionen; Fahrroutine; Ermüdung
2. Sehschärfe: fern – nahe, hell – dunkel
3. Verständigung; Merkfähigkeit, Lösung schwieriger Situationen; Fahrverhalten
4. Reaktionszeit und Bremskraft bei Erkrankung des Nervensystems
5. Beweglichkeit; Rückwärtsfahren und parkieren, Sitzeinstellung bei Rücken- und Gelenkproblemen
6. Risiko Rauchen, Krankheitsfolgen
7. Vorsichtsmassnahmen des Zuckerkranken, Gefahren bei Schwindel und Bewusstseinstrübung
8. Verhalten und Massnahmen bei unvorhergesehenen Gesundheitsstörungen
9. Verträglichkeit von Alkohol im Alter und bei chronischer Erkrankung
10. Einschränkung der Fahrtüchtigkeit unter Medikamenten

Erste Erfahrungen mit der «gesundheitlichen Fahrberatung»
Bei Fortbildungen des Ostschweizerischen Fahrlehrerverbandes wurde das Konzept der gesundheitlichen
Fahrberatung vorgestellt. Fahrlehrer sind daran interessiert, Fahrberatungen mit älteren Autofahrern
durchzuführen. Um eine gute Zusammenarbeit zwischen grundversorgenden Ärzten und Fahrberatern
zu erreichen, informieren sich Fahrberater in Fortbildungskursen über die wichtigsten Krankheiten,
welche die Fahrfähigkeit einschränken. In der Regel empfiehlt der Hausarzt einem älteren Patienten, eine Fahrberatung zu machen. Anlässlich einer Fahrt mit dem Fahrberater kann dem älteren Fahrer zum Beispiel demonstriert werden, dass er bei schlechter Sicht nicht mehr fahren soll. Bei behinderter Beweglichkeit des Rückens kann der Gebrauch der Rückspiegel eingeübt werden. Vielleicht treten bei im Autofahren gnostische Minderleistungen auf, von denen der Hausarzt vorher keine Kenntnis hatte.
Die gesundheitlichen Probleme, welche für die älteren Patienten beim Autofahren eine Rolle spielen
können, wurden in einer für Fahrberater und Autofahrer verständlichen Broschüre zusammengefasst
[2]:
– allgemeine Altersbeschwerden
– Augenkrankheiten
– Alzheimer-Probleme
– neurologische Erkrankungen
– Rücken- und Gelenkschäden
– Rauchen als Risiko für Herz und Lunge
– Bewusstseinsstörungen
– Stress bei Gesundheitsverschlechterung
– Alkohol und Medikamente
Der Hausarzt, welcher umfassende Kompetenzen in medizinischer Grundversorgung hat, kann ältere
Autofahrer am besten beraten. Beim Nachlassen der Kräfte und bei gesundheitlichen Defiziten des Autolenkers helfen Arzt und Fahrberater, die Fahrtüchtigkeit auf hohem Stand zu halten. Der richtige Zeitpunkt zur Abgabe des Führerausweises wird einvernehmlich gefunden.
Literatur

1 Seeger R. Probleme bei der Beurteilung der Fahreignung in der hausärztlichen Praxis. Therapeutische Umschau 1997;54.
2 Seiler K. Jaeger U, Seiler R. Gesundheitliche Fahrberatung.
Eine Wegleitung für ältere Autofahrer und Autofahrerinnen.
2002, im Eigenverlag erschienen.
Dr. med. Karl Seiler
Obere Bahnhofstrasse 49
CH-9500 Wil