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Zeitungsartikel

Freiwillig gibt man selten auf

Strengere Kontrollen für Rentner am Steuer gefordert

Freiwillig gibt ein Autolenker im Rentenalter seinen Führerschein nicht so ohne weiteres ab. Wann es Zeit dazu ist, können Kontrollfahrten und Kontrolluntersuchungen feststellen.

Von Hedy Beyeler [Sarganserländer]

St.Gallen. Ein Unfall, verursacht durch einen 82-jährigen Rentner im Kanton Aargau, hat in der Öffentlichkeit schockiert, und prompt werden wieder Forderungen laut, dass strengere Massstäbe bei den Tests von Automobilisten über 70 Jahre angewendet werden sollen. Allein die alle zwei Jahre vorgeschriebenen Kontrolluntersuchungen auf Fahrtüchtigkeit durch den Hausarzt würden nicht ausreichen, sagen viele.
Auch der Ostschweizerische Fahrlehrerverband hat dies erkannt und bietet als Pilotprojekt eine Ausbildung zum diplomierten Fahrberater für erfahrene Fahrlehrer an. Bei solchen Fahrberatern können sich Seniorinnen und Senioren, nebst der Kontrolluntersuchung beim Arzt, auf ihre Fahrtüchtigkeit testen lassen. Denn oftmals überschätzen sich ältere Autofahrer und glauben, dass sie es schon merken würden, wenn es soweit sei, dass sie das Auto nicht mehr beherrschen würden.

Mehr Rentner
Es reicht nicht aus, dass jemand noch gut sieht, wichtig ist vor allem die Reaktionsfähigkeit in heiklen Situationen, und die ist kaum selber zu überprüfen. Tatsache ist, dass die Anzahl über 70-Jähriger mit Führerschein von Jahr zu Jahr zunimmt. Im Jahr 2003 gab es im Kanton St.Gallen immerhin 48340 über 70-Jährige, die im Besitz des Führerausweises waren. Dass sich eine ansehnliche Zahl von Rentnern in Sachen Fahrtüchtigkeit überschätzt, zeigt die Unfallstatistik im Kanton St.Gallen. Durchschnittlich geschieht täglich ein Unfall, an dem eine über 70-jährige Person beteiligt ist. Es gibt aber auch die anderen, wie Georges Burger, Vorsteher des Strassenverkehrsamtes St.Gallen gegenüber dem "Sarganserländer" zu berichten weiss:<< Es gibt eine Reihe von über 70-jährigen, die hervorragend fahren, und ich weigere mich, alle älteren Menschen in einen Topf zu werfen.>> Es gebe auch etliche junge Menschen, die nicht verkehrstüchtig seien.

Bin ich noch verkehrstauglich? Fahre ich richtig? Stelle ich im Strassenverkehr ein erhöhtes Risiko dar? Fragen, die sich ältere Autofahrer stellen und stellen müssen- beantwortet am besten vom Hausarzt und mittels Kontrollfahrt mit dem Fahrberater.

Über 70-Jährige, die ihren Führerausweis behalten wollen, müsse sich alle zwei Jahre einer hausärztlichen Kontrolluntersuchung stellen. Es ist also der Hausarzt, der über die Fahrtüchtigkeit seines über 70- jährigen Patienten zu befinden hat. das ist für den Arzt nicht immer einfach, hat er doch nebst der körperlichen auch die geistige Fitness zu beurteilen. Seniorinnen und Senioren haben neu die Möglichkeit, eine freiwillige Kontrollfahrt durchzuführen - bevor eine solche amtlich angeordnet oder gar der Führerschein entzogen wird. Wer ein ärztliches Attest über seine Fahrtüchtigkeit im Sack hat, wird wohl erst dann aufs Autofahren verzichten, wenn es seine gesundheitliche Befindlichkeit nicht mehr zulässt. Selten, dass jemand dies schon früher tut. Was aber, wenn die Kontrolluntersuchung beim Arzt und die freiwillige praktische Kontrollfahrt für den Führerscheininhaber positiv ausfallen?

Was wird getestet?
Ab einem gewissen Alter kann sich die Fahrtüchtigkeit sehr rasch in eine Fahruntauglichkeit umwandeln. Daher wir mit zweijährigen Kontrollen kaum die Sicherheit der Fahrtauglichkeit garantiert werden. Deshalb wollen bfu, Pro Senectute und Strassenverkehrsämter ältere Menschen auf mögliche Gefahren sensibilisiert werden, damit sie zu ihrem eigenen Schutz rechtzeitig auf das Autofahren verzichten können. Der Entscheid dazu falle vielen schwer, weil das Gefühl auftauchen könnte, nicht mehr voll und ganz am gesellschaftlichen Leben teilhaben zu können wird begründet. Der OFV hat zu diesem Zweck ein Pilotprojekt lanciert und bildete 30 erfahrene Fahrlehrer zu so genannten Fahrberatern aus. Es sind Experten der Strassenverkehrsämter, Vertreter der Rechtsmedizin und Psychologie, Unfallursachenforscher der bfu, langjährig tätige Fahrberater sowie Mediziner, welche gemeinsam die Ausbildung für diplomierte Fahrberater anbieten. Damit übernimmt die Ostschweiz diesbezüglich eine Vorreiterrolle in der Schweiz für die Sicherheit im Strassenverkehr. In der Region Sarganserland- Werdenberg sind es vier Fahrschulen, die neu Fahrberatung insbesondere für Senioren anpreisen: Fahrschule Mannhart, Walenstadt; Fahrtraining Ost GmbH, Sargans; Rolf Frischknecht, Sevelen, und der Regionalvertreter des OFV, Peter Frey, Azmoos. Bei den diplomierten Fahrberatern handelt es sich um erfahrene Fahrlehrer mit langjähriger Praxis, die neu über die entsprechende Spezialausbildung verfügen.

Schwere Trennung
Die Fahrtüchtigkeit wird vom Fahrberater während der Fahrt nach einem Zehnpunktesystem analysiert, so zum Beispiel auch das Reaktionsvermögen in kritischen Situationen. Hat der Senior die freiwillige praktische Fahrberatung absolviert, erhält er ein Protokoll aufgrund dessen er die Entscheidung treffen kann, ob es verantwortbar ist, weiterhin mit dem Auto einzukaufen oder Ausflüge zu machen. Falls ein älterer Automobilist vom Hausarzt zur Fahrberatung geschickt wird, erhält auch der Arzt eine diesbezügliche Meldung durch den Fahrberater, die ihm für ein weiteres Gespräch mit dem betroffenen Autofahrer dient. Manche Senioren und Seniorinnen tun sich schwer damit, ab einem gewissen Alter den Führerschein abzugeben. In solchen Momenten wird ihnen bewusst, dass man nun im letzten Lebensabschnitt steht. Andere wiederum können locker sagen: " Ich kann mir nun meine Zeit so einteilen, dass ich zum Einkaufen und für Ausflüge die öffentlichen Verkehrsmittel benützen kann."

Offen für Freiwilligenkurs
Ida Amsler - sie wird im September ihren 77. Geburtstag feiern - fährt noch regelmässig mit ihrem eigenen Auto zu Seniorentreffs oder auch in die Ferien. Dem Angebot eines Kontrollkurses bei einem Fahrberater steht sie positiv gegenüber." Wenn mir der Arzt empfiehlt, einen solchen Kurs zu besuchen, dann mache ich das sofort, da habe ich keine Mühe. Ich ziehe es vor, einen freiwilligen Kontrollkurs zu besuchen, bevor ich von Amtes wegen dazu verpflichtet werde." Sie gibt aber auch zu, dass sie im Winter, wenn die Strassen schneebedeckt sind oder Glatteis herrscht, das Auto lieber in der Garage stehen lässt und die öffentlichen verkehrsmittel benützt. Georges Burger, Vorsteher des Strassenverkehrsamtes St.Gallen, begrüsst den neuen Beruf des Fahrberaters und unterstützt jedes Angebot zum Thema" Fahren im Alter", seien das Kontrollfahrten sowie Kontrollen durch den Hausarzt und den Verkehrspsychologen. Georges Burger kann sich auch vorstellen, dass in einigen Jahren auf Bundesebene eine so genannte interdisziplinäre Beurteilung (Arzt, Verkehrspsychologe und Fahrberater) obligatorisch erklärt wird. Im Übrigen habe der Kanton St.Gallen bereits eine interdepartementale Arbeitsgruppe ins Leben gerufen, welche Verbesserungen für diesbezügliche Kontrollen ausarbeiten.